Ängste, Sorgen und Seifenblase

Wie wird es in Berlin sein? Wie fühlt sich Deutschland und Europa jetzt für mich an. So viel gruselige Medienberichterstattung, Ängste und Sorgen, die geschürt werden und/oder die existieren. Wird mich das auch packen? Hat es mich nicht sogar schon gepackt? Werde ich zum ausverkauften Pfeffersprayregal gehen? Werde ich Menschenmassen meiden? Wir sind so weit weg und doch bald wieder da. Ich bin so wütend. Frauenhasser, Fremdenhasser, Menschenhasser, alle gleichermaßen – welch große Scheiße das doch ist.

Im Zwiespalt zu allem. Schubladendenken, das ist ja auch so viel einfacher, es ist doch sowieso schon kompliziert. Und alle, die sich nicht wie ihre vermeintliche Schublade verhalten, wie unfair es für sie ist.

Und ich? Was mache ich konkret? Da ich vermutlich am glücklichsten im Zelt mit der Nase zwischen Pilzen, Kräutern und Blumen bin, sind die Menschenmassen für mich eh nicht wirklich von Relevanz. Das Pfefferspray? In meiner Einkaufstüte als Handtasche sowieso nicht auffindbar.

Aber im Ernst. Ich werde mich ganz strikt weigern, angst- und sorgenvoll durch Berlin oder durch mein Leben zu gehen. Die Welt ist bekloppt, die letzten Wochen scheinen einem Horrorfilm zu entstammen. Aber ich mach da nicht mit. Ich lebe meinen Kindern nur Nase-in-den-Blumen vor. Verantwortungsvoll und vernünftig, natürlich. Aber anders kann man sich doch gleich die Kugel oder drei bunte Pillchen täglich verschreiben lassen, damit man diese Schlechtigkeit, Sorgen und Ängste aushält. Und das ist  nicht mein freies Leben. Jo, ich residiere halt in meiner rosa Seifenblase und schmeiß da Cookieparties mit frischen Blumen. Es wird großartig! Ich werde bestimmt oft Besuch in der rosa Seifenblase haben. Stinkefinger für alle Schlechtigkeit.

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5 Gedanken zu “Ängste, Sorgen und Seifenblase

  1. Kommentar von Anna: Ja, hier sind alle so wahnsinnig aufgeregt. Wie du so schön schreibst: Frauenhasser, Fremdenhasser, Menschenhasser – auf diesem Niveau und in dieser Radikalität bewegt sich die Diskussion leider oft. Schon rein jobbedingt stecke ich da natürlich bis über beide Ohren tief drin. Du hast das halbe Jahr „verpasst“ (du Glückliche…!), in dem sich das alles so hochgeschaukelt hat und wirst sicherlich schlucken, was hierzulande wieder für Töne angeschlagen werden. ABER: Wenn man sich ganz konkret, im eigenen kleinen Alltag, hinterfragt, was sich für einen persönlich geändert hat, dann ist man manchmal überrascht: wie wenig sich eigentlich verändert hat.
    Man kann seine stinknormale kleine Welt, mit Arbeit, Familie, Ausgehen oder Beete beharken, ganz normal weiterleben. Und das ist auch ganz wichtig und gesund so. Du wirst in Berlin bestimmt noch mehr Menschen sehen, die offensichtlich nicht „biodeutsch“ sind (wobei Du in deinem Szenkiez an den Anblick sowieso gewöhnt bist). Wenn Du mal Kleider spenden willst oder selbst die Nase in ein Flüchtlingsheim steckst, wirst Du natürlich auch Flüchtlinge kennenlernen. Reiner wird sicherlich im Krankenhaus mit Flüchtlingen zu tun haben. Aber obwohl ich zum Beispiel durch die Arbeit, aber auch, weil ich mich ab und an privat engagiere, jede Woche in irgendeinem Heim stehe, habe ich nicht den Eindruck, dass sich mein Leben wahnsinnig geändert hat – ich fühle mich nicht ärmer, bedrohter oder sonstwas, was ja die Ängste sind, die allerorten durchklingt. Im Gegenteil : mein Alltag hat sich höchstens ein bißchen „internationalisiert“, weil ich jetzt auf einmal jede Menge Syrer oder Iraker kennengelernt habe. In meinem Fall : bereichernde Begegnungen. Aber gesamtgesellschaftlich: klar kann’s immer wieder im Zusammenleben knallen. Aber da – finde ich persönlich – muss man nicht hysterisch werden, das hilft gar nix, sondern klar in der Kommunikation von Regeln sein und gucken, dass die eingehalten werden, sonst: Sanktionen. So ein bißchen, wie ich Laie mir Kindererziehung vorstelle 😉 .
    Von daher klingt für mich deine Strategie, dich nicht kirre zu machen lassen, den Kopf immer wieder zwischen Blumen zu stecken, durchaus gut. Sachlich-gesunder Menschenverstand und BLOSS NICHT ZU VIEL IM INTERNET RUMSURFEN würde ich außerdem empfehlen, dann bist du gerüstet für die Rückkehr.

    Fühl Dich gedrückt!
    Anna

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  2. Süße, mein Leben ändert sich natürlich auch andauernd, obwohl ich nur in meiner Seifenblase sitze. Ich hab hier in Berlin weder mehr noch weniger Spinner aller Art gesehen – hier ist alles wie immer in den letzten 20 Jahren. Da ist auch viel mediale Übertreibung dabei, wenn du mich fragst. Oder meine Seifenblase hat ne verdammt stabile Hülle!

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