Köttel auf’m Kissen

Langsam entsteht für mich ein Bild, das man hier in Amerika einfach anders lebt, als ich das bisher kenne. Es hat eher eine Art Zeltlagercharakter. So liege ich hier im Bett und stille Milan und entdecke prompt einen Mauseköttel auf meinem Kopfkissen. Das ist doch schon dreist. Die haben ihr Nest, ich meins. Eigentlich klare Verhältnisse.

Der Kammerjäger kommt erst nächsten Montag, das haben die vorgestern beim Telefonat anscheinend verstanden. Montag! Bis dahin gibt es von jedem Mäuseweibchen ca. 8 (!!!) weitere Babies. Und Reiner meint: „Die sind erst nach zwei Wochen geschlechtsreif, aber am ersten Tag nach der Geburt können die sich einen Tag fortpflanzen.“ Wir werden überschwemmt werden. Die Rache der Mäusegemeinde. Da glaubt selbst er mittlerweile auch dran. Oder: man lebt in Amerika einfach schlichtweg anders.
In der offen stehen gelassenen Mikrowelle haben die drei Köttel hinterlassen. Auf dem Buggydach und im Schlabberlätzchen von Milan auf unserem Esstisch habe ich Köttel entdeckt. Das sind Zustände, die anscheinend normal sind. Für zweieinhalb Tausend Euro all inclusive. Dabei sind wir froh, dass wir schon im September hier gebucht haben, uns wurde nämlich von weiter gestiegenen Mieten, sprich 4.000$ für ein 1-bedroom Apartment erzählt. Ich bin sehr glücklich, dass ich keine Flöhe oder Bettwanzen habe bzw. überhaupt ein Dach über dem Kopf, das ist ja auch nicht üblich in San Francisco und nicht nur der klassische Obdachlose schläft unter der Autobahnbrücke, sondern auch ganz normale junge Menschen hab ich schon einige in Zelten unter den Autobahnbrücken gesehen.
Wir haben keine Skorpione und auch keine giftigen Spinnen. Auch keine Flöhe oder Bettwanzen. Ist also alles im grünen Bereich.
Trotzdem nochmal zum Ablästern über diesen sauigen Mietmarkt: Mein großzügiges Fenster, damit kann ich unsere üppigen 35qm lüften.

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Der Clou: nur ganz rechts die kleine Lücke bis zum blauen Dingens geht auf (und unser schöner gebastelter Weihnachtsstern, weil wir finden es ja auch ganz toll hier und fröhnen unser Dasein in Amerika in der buntbeleuchteten Vorweihnachtszeit)

Ansonsten habe ich ja noch die Wohnzimmertür, die zur Straße rausgeht. (Wir haben noch mehr Fenster, es ist keine Höhle. Die lassen sich aber alle nicht öffnen.) Der garstige Herbert hat auch eine garstige Freundin. Zimtzicke, der Trockner. Alle getrocknete Wäsche kommt nämlich feucht raus. Ich habe eine Wäscheleineninstallation gebaut. Insbesondere die von mir vor den Raum gerollte Elektroheizung ist das i-Tüpfelchen meines Kunstwerks.
So ist hier der Mietmarkt. Nie wieder beschwere ich mich in Deutschland über eine Mieterhöhung von 50€. Für zweieinhalb oder dreitausend Euro, hier also der ganz normale monatliche Mietpreis für ein Mausenest – hach ja, ich sehe mich bei diesen Summen im Whirlpool auf dem Dachgarten, Blick über die Skyline, alle drei Tage eine großartige Putzfrau, die mir, wenn sie doch schon gleich da ist, einen leckeren Shake an den Whirlpool bringt. Ich habe ja schließlich die Hände mit den Kindern und einem Cookieteller voll.

 

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9 Gedanken zu “Köttel auf’m Kissen

  1. Aber der Stern ist einsame Spitze.

    Und Mäuse im Haus sind zwar jetzt auch nicht der Knaller aber 1. besser als Flöhe und andere Insekten und 2. wenigstens passend zu den Mausens bzw. zum Mauseforscher. Vielleicht solltest Du als nächstes Projekt eine Mäusedressur starten. Wird bis Montag aber zeitlich etwas eng. Könntest aber vielleicht vorschlagen, dass die Maus, die es bis Montag schafft Dir das Frühstück ans Bett zu bringen überlebt. 😉

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