Immer in Bewegung bleiben

Diese beiden Teufel haben sich abgesprochen! Ich schaukel Malea vom Spielplatz zurück in ihrem Buggy ewig durch die Gegend, damit sie einschläft. Klar der Buggy und der Autositz sind neben ihrer Familie die einzigen Konstanten in ihrem kleinen Leben – logisch, dass sie nur dort einschlafen kann. Ich beschwer mich an diesem Punkt ja auch noch gar nicht. Die Eltern machen in Kalifornien ihren Winter-zum-Sommer-Spaß, da bezahlen wir halt auch ein paar Bequemlichkeitsabstriche dafür. Aber prompt, dass Malea eingeschlummert ist, ich den Buggy in den Garten stelle und den Schlüssel zum Gartenhaus umdrehe, wacht Milan mit großem Gezeter und Möhrenbreihunger auf (er hat bisher Brei noch nie warm bekommen, dafür hat er mir nicht 3 Sekunden Zeit für gelassen). Nach Breimahlzeit ist er natürlich erstmal wach, quasselt, lacht. Blick in den Garten: Malea schläft, schnarcht gar. Mama guckt dumm aus der Wäsche. Schläft nicht. Schnarcht auch nicht. Nicht mal zehn Minütchen. Was nu? Drei Kaffee. Nicht so durchsichtige Kaffee, neiiiheiiiiin. Dunkelste schwarze dicke Pampe. Drei Kaffee trinke ich jeden Nachmittag. Morgens auch immer ein bis zwei. Ich habe vor Kind Nummer zwei fast NIE Kaffee getrunken. Jetzt trinke ich fast nichts anderes mehr. Heute mache ich mir sogar eine deluxe Variante, die ich hier mit euch trinke: Die Tasse mit Lindt-Vollmilchschokolade, die ich heute zum Vorbereiten der Mad Marshmallow-Pops mit Malea gebraucht habe, ist noch eingeschmiert mit Schokolade. Das gibt jetzt den Energykick! Und was hilft sonst noch gegen diesen seit Monaten andauernden Schlafmangel – und ich bin nicht die Sorte Mensch, die nicht ausdrücklichst gerne schläft?

Immer in Bewegung bleiben!

Alles machen, was keine große Konzentration erfordert und ganz wichtig: ausschließlich Sachen machen, die ganz viel Spaß bereiten. Fotos machen, Videos drehen, Chatten, backen, Bastelsachen für Malea vorbereiten, damit, wenn sie aufwacht es direkt weitergeht. Stroh sammeln für Reiners Vogelscheuchenkostüm, Gespenster-Dosen werfen für Halloween vorbereiten, Gespenstergirlande, Gespensterstempel, Gespensterkekse, Kartoffelgespenster – alles voll mit Gespenstern. Malea liebt Gespenster. Ich liebe Gespenster. Milan guckt die im Wind flatternden Gespenster auch mit großen Augen an.

Lindt-Kaffee ist alle und die Gespensterkekse brauchen Schokoladenaugen.

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meine Lindt-Schokokaffeetasse an meinem Arbeits-Bewegungsplatz
Tschüüühüüüss!

(Rufe ich mit flatternden Hosenbeinen, Milan fix seine Raupe zwischen die Wurstfinger gedrückt, die Schokolade im Wasserbad umgerührt, Fotos hochgeladen und nen Schluck Wasser für´s Gewissen runter gekippt. Bereit für Kaffee Nummer vier für heute.)

Vorbereitungen

Am 1.11., also Sonntag, ziehen wir wieder um. Jetzt ist Berkeley dran, die Studentenstadt. Wir wohnen auch direkt neben der Uni. Da stand ich neulich in einem Schuhladen und sagte zu Reiner „ich bin leider zu alt für diese Schuhe.“ Eine Erkenntnis wie ein Blitzschlag, tatsächlich. In Berkeley sind wir auch für vier Wochen, wobei die Zeit schneller wegrennen wird, weil wir die letzte Woche über Thanksgiving unseren Roadtrip Las Vegas-Grand Canyon-Phoenix-Santa Barbara machen. Das wird auch langsam Zeit, mir ist schon langweilig. Ganz schön langweilig.

Noch drei Tage bis Halloween, noch vier Tage bis zum Umzug. Reiners Beschäftigung sieht so aus: Weiterlesen

Halloween überall in unserem Wohnviertel

Wir haben uns exakt den richtigen Wohnort für Halloween ausgesucht! In San Francisco ist Halloween gar nicht präsent. Es ist wirklich für Kinder gemacht, die gibt es offensichtlich mehr in den Vororten.
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Es ist noch ein paar Tage hin! Das wird täglich mehr. Unser Haus ist jetzt auch mit Spinnenweben und Vogelscheuche dekoriert. Die geschnitzten Kürbisse werden bei dem warmen Wetter hier so schnell schlecht. Deswegen wird erst ganz zum Schluss geschnitzt. Momentan stehen sie noch ganz und meistens unverziert oder mit Farbe angemalt vor der Tür… wenn die Eichhörnchen sie nicht anknabbern.

Das ist die Gruselpuppe, an der Reiner jeden Abend vorbei laufen muss:IMG_5377

Malea hat sich nun entschieden – sie wird Kürbis. Der erste schnelle Versuch, es ist wirklich nicht einfach bei diesem rasanten Kind und es funktioniert auch nur mit ständigen Kompromissen („blau, blau, blau!“ “ Nein Malea, schau mal dein Kürbis ist auch nicht blau.“ „BLAU, BLAU, BLAU!“ „Was hälst du von ein bisschen rot?“ „Marienkäfer!“ „Ja, ok, ich male einen Marienkäfer.“ Setze den Pinsel an. „BLAU!!!“ Zappel, zappel und alles verwischt. Schnuller in feuchte Schlabberschnute, alles verwischt. Beim nächsten Mal muss ich den 5-Minuten-Akt auf 2 Minuten reduzieren)

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Aber ich könnte sie ja fressen, so niedlich ist das! Unser Vermieterskind, wird Cupcake. Und so tippe ich das hier, in diesem Moment hat sie ihre komplette Schminke zerstört. Wie schafft sie das nur?! Diese Theaterschminke ist eigentlich unkaputtbar. Wie lange war sie jetzt Kürbis? 15 Minuten vielleicht 😀 Beim Süßigkeiten einsammeln werden wir uns beeilen müssen!

Paradehausfrau zweiter Versuch

Im Dauersonnenschein und -sommer kann ich meinem Kind leider nicht täglich eine 10$-Icecream gönnen, obwohl es stündlich danach fragt. Egal ob frisch als Kugel oder aus dem Supermarkt, es ist einfach teuer hier. Und so süß und sahnig wie das ist wahrscheinlich auch furchtbar ungesund, dick machend, gar giftig vermutlich. Brot selbst backen, Knuspermüsli, Cookies, alles kommt doch hier aus der Schmiede des Küchenglücks. Eis kann doch nicht so schwer sein. Das wär doch auch was Feines für meinen Naschereintisch zum Halloweenfrühstück. Einfachste Mittel: 100er Pack kleine Plastikbecher, aus der Halloweenbastelabteilung Holzstäbchen, Fruchtsaft und pürierter Bananenmilchshake mit Honig et voilá zwei verschiedene Sorten Eis am Stiel. Bin mächtig stolze Parademutti!

 

(Wär ich jetzt ein professioneller Hausfrauen-Mamablog würde ich nun weiterschreiben: Weiterlesen

Mama geht aus!

Ich kann es selbst kaum glauben, es war in dreitägiger Abpumparbeit hart erkämpft: Ich war aus! Ganz allein mit Susa, kein Milan im Tragetuch, keine übermüdete Malea im Buggy, keine Windeln, Spuktücher, Snacks, nicht vollgeschlabbert. Nur mein Portemonnaie, meine Pumps und ich! Reiner hat auf VIER (!!!) Kinder im Motel in San Francisco aufgepasst. Bevor ich es zum Motel geschafft hatte, musste ich zweimal wieder zurückfahren. Ich Verpeilte hatte erst den Laptop vergessen – da wollte Reiner mit den älteren Kindern einen Film gucken – dann beim zweiten Zurückfahren und ins Gartenhaus rennen habe ich Milans Milchflasche geholt. Bei Susa im Motel noch fix mein einziges frisches nicht vollgeschlabbertes Ausgeh-T-Shirt angezogen, Flip Flops gegen Joop-Pumps getauscht, zwei schlafende Kinder und noch eineinhalb Burritos zum Abendessen abgeliefert. Meinen Part ausgezeichnet gemeistert. Und los geht´s auf die Gass! Taxi. 50er Jahre Diner. Riesenhafter Milchshake MIT Zuckerkirsche.

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Ich bin ganz verliebt in diesen Laden! Gasluftballons über der Theke, ein Cadillac mitten im Raum. Und.ich.bin.ohne.Kinder.hier!!!!! AHHHHHHHH! Phantastisch! Trinke als erstes einen Espresso, damit ich nicht in einer Stunde einschlafe, sondern den Abend komplett auskoste. Noch einen zweiten? Ne, einer reicht erstmal. Kurz an Reiner gedacht. Der arme Kerl, vier Kinder und er geschafft von der Arbeit, morgen früh muss er raus, hat ein Meeting. Aaaach Quatsch, nach dem Milchshake sind Susa und ich noch in eine Skybar gegangen! Den Abend auskosten! Reiner packt das schon. Ins Hotel auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in den Fahrstuhl rein, 21. Etage. Hünen im Anzug als Eingangswächter, schwarze Feen in langen schwarzen bis zur Hüfte geschlitzten Abendkleidern sind die Bedienungen, Rundumblick über San Francisco, mein erster Cocktail seit Monaten. Danke Susa für das Entführen! Danke liebster Mann für das möglich machen! Ich bin sooo happy!!! Grandioser Abend, geile Stadt, zuckerliebste Menschen (mit Zuckerkirsche quasi) um mich rum und zuhause. Was für ne großartige Zeit!

Die Kehrseite des BIG

 

Die Kehrseite des „Mach es BIG!“ war direkt am nächsten Tag. Wir zum Pumpkin Patch. Da kaufst du deine Kürbisse, die gibt es dort in Massen, gehst in ein verhextes Gruselhaus, Maisfeldlabyrinth, Halloweenartikel – ein Halloweenvergnügungsparkt für Groß und Klein. Selbst die Promis gehen in Beverly Hills dann mit ihren Kindern zum Pumpkin Patch. Das macht man hier halt so. Ich zusammen mit Reiner den ältesten und berühmtesten, tollsten, schönsten, großartigsten Pumpkin Patch Oaklands rausgesucht, muss ja unseren Deutschlandgästen was bieten. Die hatten eine Höllentour durch San Francisco mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis rüber nach Oakland, waren letztlich um halb zwei da und dann: Wir stehen vor einer Rumpelbude mit Dekoartikeln. Düdüdüüüüüm. Zwei kleine Köter mit orangefarbenen Hundehalstüchern laufen rum. Im kleinen Hinterhof Stroh, Kürbisse und ein schäbiger Eingang zu einem vermeintlichen Spukhaus. Darüber ein fetzen Papier, mit Edding groß „8$“ draufgeschrieben. Aber wir sind ja anpassungsfähig und auch schon halbe Amis, aus der richtigen Perspektive, machen wir auch die BIG Show. Wir hatten trotzdem Spaß. Susa und der Rest haben einfach das sonnigste Gemüt, sind Profireisende und saugen alles als Erlebnis auf.